Nur die Zeit heilt alle Wunden: Erschütternde Analyse einer Psychotherapie

Nur die Zeit heilt alle Wunden: Erschütternde Analyse einer Psychotherapie

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Kundenmeinungen

von A2LVX7HT7N3W3G
Ich finde, das Buch ist ein wichtiger Beitrag, um einige unzumutbare Mißstände in der Psychotherapie aufzuzeigen.
Es wird im Buch auch erwähnt, daß sich kaum ein Verlag findet, der Kritisches zum Thema Psychotherapie veröffentlicht. Daran sieht man eigentlich, wie sehr psychologisiert die Öffentlichkeit schon ist, obwohl wissenschaftliche Fundierung für 99% der angewendeten Methodik bis heute völlig inexistent ist. Leider wissen das die wenigsten.
Die Leute werden heute zugeschüttet mit Psycho- und Esoterikevangelien, von denen die meisten null fundierte Grundlage haben und kein Mensch fragt danach, welcher Schaden oder welche unerwünschten Nebenwirkungen daraus resultieren können.
Der in diesem Buch geschilderte Fall ist sicher nicht der Regelfall, aber es gilt für mich als nahezu sicher, daß die breite Mehrheit der Klienten heute bei einer Psychotherapie einen Therapieschaden davonträgt. Weniger in dem hier geschilderten Ausmaß, jedoch sehr wohl durch oft unnötig lange und unwirksame "Therapien", in denen die Menschen zumindest meist finanziell bis auf das letzte ausgebeutet oder bis zum St. Nimmerleinstag vertröstet werden. Überspielt wird dies oft mit der Standardausrede, daß ja die Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Klienten so wichtig sei. Wichtig ist aber vielmehr eine funktionierende Methodik und ein auf Unwirksamkeit/Schäden reflektierender Therapeut und idealerweise auch Klient.

Es gibt in der heutigen Psychotherapie wenig bis gar keine Methodik, die wissenschaftlich überprüft ist. Therapien an sich werden ebensowenig überprüft wie Therapeuten. Läuft etwas schief, ist ausnahmslos der Klient schuld, denn die (wohlgemerkt unüberprüfte) Methode kann es nicht sein. Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle gibt es also in der Psychotherapie keine bzw. die PT überprüft sich quasi selbst.
Geradezu bezeichnend ist, daß die Therapie in dem beschriebenen Fall mit einer PT-Richtung betrieben wurde, die vom PT-Beirat offiziell zugelassen wurde, nämlich Verhaltenstherapie. Nur was nützt hier eine Pseudozulassung, wenn kein Mensch überprüft, ob die Methodik auch lege artis in der Praxis angewendet wird ?
Das ist genauso, wie wenn ich einen chirurgischen Eingriff eine Methode zulasse und ein Arzt denn z.B. in der Praxis nicht an diese Methode hält und z.B. ein Bein amputiert, obwohl es nicht nötig ist.
Aber nicht nur das: In der PT besteht nicht nur null Chance, daß die falsche Methodik aufgezeigt wird - es besteht auch null Chance, daß der Klient für den Schaden irgendeine Wiedergutmachung erhält. Vielmehr kann er sich mangels Beweislage meist mit einem Anwalt herumstreiten oder wird gar für verrückt erklärt (eine sehr beliebte Vorgangsweise in der PT: wenn nichts mehr hilft, dann ist der Klient halt nicht zurechnungsfähig bzw. geistig krank)

Was dieser völlig unhaltbare Zustand in extremis bewirken kann, beschreibt dieses Buch m.M. nach exzellent: Menschlicher und finanzieller Mißbrauch, therapeutische Methodik die mit jener auf dem Türschild überhaupt nichts mehr gemeinsam hat, Lügen, Diffamierung und Krankreden eines Menschen, der im Grunde kerngesund ist, Nebenwirkungen und Therapieschäden ohne Ende. Und ein von A bis Z luftleerer und unkontrollierter Raum, in dem ein Therapeut "herumwerken" kann, wie er will. Daß allein deshalb Mißbrauch Tür und Tor geöffnet ist, liegt auf der Hand.
Immer öfter entsteht bei solchen Fällen auch der Eindruck, daß nicht die Therapeuten den Klienten therapieren, sondern daß sie auf Kosten des Klienten ihre eigenen Mankos "therapieren" bzw. sich geradezu rücksichtslos an den Klienten ausleben. Also eine Art inverse Therapie.
Praktisch Standard ist heute auch, daß mögliche Therapieschäden, allgemeine Nebenwirkungen oder Risken einer PT von Therapeuten vor einer Therapie entweder gänzlich verschwiegen oder totgeredet werden.
Mit anderen Worten: Der Laie bekommt heute keinerlei objektive Information zum Thema Psychotherapie, manche Informationen werden überhaupt bewußt vorenthalten. Und andererseits sieht er sich vielmehr einem Schwall an Werbeaussagen und Heilversprechen gegenüber, von denen die meisten null wissenschaftliche Fundierung haben. In Bezug auf heilende Arzneimittel wären solche Werbeaussagen verboten, es sei denn, sie sind wissenschaftlich bewiesen. Wie die Aussagen in der Psychotherapie ausfallen, kann man schon an den Titeln unzähliger Psycho-Evangelien sehen, die es zu kaufen gibt - denn da heißt es nie: So KÖNNTEN sie XY heilen, sondern "so heilen sie XY", "So werden sie XY los", "So und nur so geht es" - eine bewußte Irreführung, meist ohne jegliche wissenschaftliche Fundierung und wissenschaftlichen Nachweis. Nur zu dem einzigen Zweck, möglichst viel davon zu verkaufen - mit könnte, hätte und wäre läßt sich eben nichts verkaufen.

Daß der Laie heute also in diesem Vakuum der Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle an eine fundierte Therapie mit einem ordentlich arbeitenden Therapeuten gerät, ist in meinen Augen kaum wahrscheinlicher als ein 6er im Lotto, denn dazu müßte er vorher vermutlich studiert haben.
Noch dazu wenn man bedenkt, daß er sich ja meist ohnehin in keinem psychisch stabilen Zustand befindet - er ist meist sehr anfällig für Versprechungen und heißte Luft diverser Art. Dies wird dann allzuoft einfach beinhart ausgenützt, weil das in diesem Gesamtsystem einfach wunderbar funktioniert, ohne daß ein Therapeut auch nur mit den geringsten Konsequenzen zu rechnen hat.

Da diese Zustände zwar einerseits völlig untragbar sind, sich andererseits aber von offizieller Seite niemand gemüßigt sieht, daran etwas zu ändern (am aller wenigsten die PT-Verbände, weil die wollen sich ja nicht das Geschäft abgraben - das wäre so, als würde sich die Pharmaindustrie selbst kontrollieren), bleibt dem Klienten und Laien eigentlich nur übrig, selbst vorsichtig, wachsam und reflexionsfähig zu bleiben. Denn entgegen vieler Behauptungen aus der sogenannten Psycho-Szene hat diese Art des Selbstschutzes noch absolut niemand geschadet. 
von A3EKBVKMSNQ19
Ein Buch, das sich sehr gut lesen lässt! Dafür sorgt schon der erfreulich große Druck, weit mehr noch der im positiven Sinne nüchterne und unpathetische Erzählstil der Autorin.
Das Buch ist daher keine auf Sensation getrimmte Reportage, sondern die authentische Schilderung einer Tragödie: Es erzählt davon, wie das Vertrauen und die Hilflosigkeit eines seelisch notleidenden Menschen massiv ausgenutzt werden. Es dokumentiert, wie verhängnisvoll sich das berufliche und/oder persönliche Versagen einer Psychotherapeutin auf das Leben und Erleben ihrer Patientin auswirkt. Wer dieses Buch liest, wird nicht gerade dazu ermuntert, zum Psychotherapeuten zu gehen. Man würde aber die Autorin grob missverstehen, wenn man ihr eine generelle Verurteilung der Psychotherapie unterstellte. Sie erzählt vielmehr ihre Leidensgeschichte, um vor den schwarzen Schafen der Branche zu warnen. Sie möchte Menschen ermutigen, sich vor dem Missbrauch der Psychotherapie zu schützen und psychotherapeutische Irrwege rechtzeitig als solche zu enttarnen. Das Buch erinnert mich so auch an eine generelle Schwierigkeit bei der Therapeutensuche: Laien ist es im (Internet)Dschungel angebotener "therapeutischer Dienstleistungen" nahezu unmöglich, die therapeutische Spreu vom Weizen zu scheiden. Es fehlt der Leitfaden bzw. die Empfehlung, welche den richtigen Therapeuten finden lässt.
 
von A49KYSD2WBLXH
Ich bewundere Frau Schumann dafür, dass sie ihre Geschichte so offen mitteilt und somit das einzig Richtige tut: anderen die Gelegenheit zu geben, nicht das gleiche Schicksal zu erleiden.

Sie hat ihre Geschichte klar, deutlich und ohne Detailverliebtheit geschrieben, das Buch ist leicht zugänglich und für jederman verständlich.

Lediglich in Bezug auf den Umgang mit solch einer Therapeutin wäre etwas mehr Mut angezeigt, auch und gerade im Nachhinein. Man erlebt schnell eine Brandmarkung als rachesüchtig, querulantisch, etc., und als angepasstes Mitglied der Gesellschaft neigt man dazu, dies zu internalisieren, um nicht anzuecken. Ich kann mir vorstellen, dass die Hemmschwelle der Frau Schumann etwas zu hoch ist und die bisherige juristische Würdigung den Gesamtumständen nicht angemessen ist. Was spricht gegen eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Gesundheitsministeriums des Bundeslandes? Die Berufsvertretung ist der letzte Akteur, der an Aufklärung interessiert ist. 

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